Vergangene Veranstaltungen
Große Namen und stille Nachbarn.
Das verlorene jüdische Leben in Österreich und Leobersdorf
Mittwoch, 18.3.2026, 19:00 Uhr
Evangelische Kirche, Enzesfelder Str. 12, 2544 Leobersdorf
Eintritt: freie Spende
Was hat die Geschichte unserer Großeltern mit uns heute zu tun? Warum werden wir für eine Vergangenheit zur Verantwortung gezogen, die wir selbst nie erlebt haben? Dieser Abend ist eine Spurensuche nach den Echos einer verdrängten Vergangenheit. Ausgehend von den persönlichen Konfrontationen der Vortragenden, Mag. Eva Ullreich, als junge Österreicherin im Ausland, entfaltet sich ein Panorama des Verlusts. Es reicht von den „großen Namen“, die für das immense intellektuelle, kulturelle und innovative Potenzial stehen, das Österreich durch die Vertreibung und Ermordung verlor, bis hin zu den „stillen Nachbarn“; jüdischen Familien direkt aus Leobersdorf, deren Leben und Wirken gewaltsam ausgelöscht wurde.
Die Lokalinitiative NS-Zwangsarbeit Leobersdorf setzt mit diesem Abend ihre Vortragsreihe fort. Dabei wird bewusst das Format eines klassischen Frontalvortrags verlassen. In einer dialogischen Dramaturgie werden persönliche Erlebnisse mit historischen Fakten verwoben: Eva Ullreich begibt sich im Dialog mit Verena Sommer und Christian Graf auf die Suche nach der „ererbte Verantwortung“. Schauspieler Christian Graf erweckt historische Zeugnisse und literarische Texte zum Leben, unter anderem die schmerzhafte Erfahrung der Vertriebenen Edith Foster: „Uns hat ja niemand mehr haben wollen!“. Peter Natterer (Saxophon) und Nikola Stanošević (Klavier) schaffen einen Resonanzraum, der das Gehörte reflektiert und vertieft.
Begleiten Sie uns auf einer Reise, die vom Beton der Fabriken des Architekten Bruno Bauer über die visionäre Kraft des Flugpioniers Robert Kronfeld bis hin zu den lokalen Schicksalen der Familien Kohn, Graf, Lipschitz und Wiebauer führt. Ein Abend über Erinnerung, Verantwortung und die Notwendigkeit, das Schweigen zu brechen.
Widerstand gegen das NS-Regime im südlichen Niederösterreich
Mittwoch, 22.10.2025, 19:00 Uhr
Evangelische Kirche, Enzesfelder Str. 12, 2544 Leobersdorf
Eintritt: freie Spende
Der Vortrag von Mag. Karl Eigenbauer widmet sich den vielfältigen Formen des Widerstands gegen das NS-Regime im südlichen Niederösterreich, insbesondere im Industrieviertel. Diese Region, geprägt durch ihre industrielle Struktur und eine stark verankerte Arbeiterbewegung, bildete einen besonderen Brennpunkt des Widerstands. Von diesem allgemeinen Kontext ausgehend entfaltet der Vortrag ein Panorama der unterschiedlichen Widerstandsformen: den politischen Kampf in den Rüstungsbetrieben, den kirchlich-religiösen Protest – verkörpert etwa durch Schwester Maria Restituta –, den Widerstand von Wehrmachtsdeserteuren und Fallschirmagenten sowie das stille, oft lebensgefährliche Handeln einzelner Menschen, die Verfolgte unterstützten oder die kampflose Übergabe von Orten ermöglichten. Exemplarische Biografien, wie jene von Karl Flanner und Josef Sasso, verdeutlichen, dass der Widerstand im Industrieviertel nicht aus vereinzelten Taten bestand, sondern Ausdruck einer solidarischen, politisch verankerten Bewegung war. Abschließend richtet sich der Blick nach Leobersdorf und Umgebung, wo einzelne Persönlichkeiten beispielhaft für ein eng vernetztes lokales Widerstandsmilieu stehen. So entsteht ein facettenreiches Bild von Mut, Solidarität und Menschlichkeit in einer Zeit der Diktatur, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit der brutalen Repression des NS-Regimes und dem schwierigen Umgang mit diesem Erbe nach 1945.